Sisipu

Ikkepuks bester Freund heißt Sisipu. Er ist gerade das Gegenteil von Ikkepuk. Während Ikepuk klein und grummelig ist, ist Susipu groß und hager. Er kann sich auch nicht mit so einer wilden Haar- und Bartpracht brüsten wie Ikkepuk. Im Gegenteil, Sisipus Kopf ist geziert von einer kahlen, knorpeligen Platte voller Leberflecke auf der ein paar wenige weiße Haare es gerade noch schaffen, wild in die Höhe zu stehen. Für Ikkepuk hatte Sispu den schönsten Kopf der Welt.

Sisipu bezeichnete Ikkepuk des öfteren als kleinen miesen Grantler, der nichts Gutes in der Welt sähe, aber mit solchen Äußerungen sollte Sispu eher vorsichtig sein. Zum einen war Ikkepuk nicht nur ein kleiner mieser Grantler sondern auch ein ganz hervorragender Zyniker, zum anderen stand ihm Sisipu darin in nichts nach. Und in dieser Eigenschaft waren Ikkepuk und Sispu gerade nicht ihr genaues Gegenteil.

Sisipu sah die Welt allerdings etwas praktischer als Ikkepuk. Während Ikkepuk sich oft in düsteren philosophischen Gedankenwelten verlor, fand Sisipu oft einen einfachen wenn auch für Ikkepuk absolut unlogischen und nicht nachvollziehbaren Weg aus irgendwelchen Problemen, oder auch Nicht-Problemen, je nachdem.

Als einmal eine Fliege frecherweise auf Ikkepuks Marmeladenbrot Platz nahm, um sich etwas an der köstlichen Fruchtzubereitung zu laben, kam Ikkepuk sofort ins Grübeln. Was macht diese Fliege hier? Ist sie nun hier, um mich meines wohlverdienten Genusses zu berauben? Das würde ja bei der Fliege nicht nur höhere kognitive Fähigkeiten voraussetzen (z.B. müßte die Fliege genau wissen, daß (a) Marmelade köstlich ist, (b) die Marmelade mir gehört und sie müßte (c) genau wissen, daß ich mich drüber ärgern würde, daß sie, die Fliege, auf meinem Marmeladenbrot Platz nimmt. Desweiteren müßte die Fliege wissen, daß ich mich nicht nur einfach drüber ärgern würde, daß sie auf meinem Marmeladenbrote sitzt, nein sie müßte auch wissen, daß ich endlos andauernde Grübeleien ob dieser Tatsache anstellen würde. Dies wiederum würde der Fliege, wie sie ja wohl offenbar weiß, denn sonst würde sie es ja nicht tun, einen größeren Zeitspielraum verschaffen, um noch mehr von meiner Marmelade essen zu können. Bei dieser Fliege handelt es sioch also um ein kleines und mieses gefräßiges Subjekt, das (a) in der Lage ist, ihre Umwelt in ihrer Gänze zu erkennen und zu interpretieren und (b) dieses Wissen geschickt auszunutzen, um sich (1) einen Vorteil [Nahrung - N] und (2) mir einen Nachteil [Zeitverschwendung durch überflussiges Grübeln - Z] zu verschaffen. Da sich (N) und (Z) in einem proportionalen Verhältnis zueinander befinden, und außerdem gilt daß bei sich in der Zeit (t) entwickeln, bleibt also festzuhalten daß gilt: N/Z * t = I. I ist dabei der Ikkepuk-Wert, und je näher er an 1 ist, desto eher bekomme ich nichts mehr von meinem Marmeladenbrot ab. Die Zahl 1 wird deshalb von nun an auch die große Ikkepuk-Konstante der Welt bezeichnet werden, vorausgesetzt, ich erlebe es noch und sterbe vorher nicht hungers. Die Frage die sich nun weiterstellt, ist ob (a) Gott dies so gewollt hat, (b) ob Gott auch Aussagen über Fliegen machen kann und (c) ob es überhaupt einen Gott gibt...

Ikkepuk hätte in der Tat nichts mehr von seinem Brot abbekommen, aber nicht weil die Fliege etwa alles aufgegessen hätte, sondern weil Ikkepuk schlicht vergessen hätte in sein Brot zu beissen, wenn Sisipu nicht die Initiative ergriffen hätte und mit einem großen Platsch seiner großen flachen Hand auf das Brot die Fliege verscheucht hätte. Daß das Brot dabei erstens völlig zermatscht wurde und zweitens danach auf den Boden fiel (mit der Marmeladenseite nach unten [Ikkepuk: "Warum fällt ein Marmeladenbrot eigentlich immer..."]) tut hier nichts weiter zur Sache. Nur eines noch: Sisipu schleckte danach genüßlich den großen Marmeladenfleck von seiner Hand und freute sich des Tages...


Ikkepuk, Sispu und der Vogel.